Kostproben

humorvoll, ernst oder auch wütend, Beispiele meiner musikalischen und sprachlichen Welt

Biene auf einem Bienenstock mit Honigwaben.

Bienenkonferenz

Der Mensch ist eine Art, die bei 37 Grad

existiert und nicht krepiert.

Doch ein paar Grade mehr (vielleicht acht),

raffen sie dahin, dann gute Nacht.

Nur ein kleiner Stich, der plagt sie fürchterlich,

doch kommt ein ganzer Schwarm von uns

und fällt über sie her,

dann gibt es sie nicht mehr.

Denn sie sind so verletzlich und denken doch, sie sind so smart.

So empfindlich, wir nennen sie: bedrohte Art.

Wir geben den Support und fliegen auch nicht fort,

bestäuben ihr Getreide und Obst,

damit sie nicht verhungern muss

denn sonst ist einfach Schluss.

Habt ihr schon gewusst, zwei Liter Blutverlust,

dann ist es ganz um sie geschehen,

es tötet auch die Heldenbrust,

sie sind nicht so robust.

Und ohne Flüssigkeit für nur eine kurze Zeit,

nur drei kleine Tage lang

ohne Wasser sind sie fort,

vertrocknet und verdorrt.

Denn sie sind so verletzlich und denken doch, sie sind so smart.

So empfindlich, wir nennen sie: bedrohte Art.

Wir geben den Support und fliegen auch nicht fort,

bestäuben auch die Apfelbäume

für ihre Vitamine.

Sie nennen uns „fleißige Biene“.

Wir diskutieren schon über Mindestlohn,

wir fliegen Tag und Nacht für sie

ohne einen Protest,

der gäbe ihnen den Rest.

Doch wir helfen gern als Bienenschwarmkonzern.

Wir sehen, dass sie ohne uns,

ohne es auch zuzugeben,

gar nicht überleben.

Denn sie sind so verletzlich und denken doch, sie sind smart.

So empfindlich, wir nennen sie: bedrohte Art.

Wir geben den Support und fliegen auch nicht fort,

auch wenn sie selten Danke sagen

und auch nicht nach Hilfe fragen,

eher uns verjagen,

wir helfen ohne anzuklagen

an guten wie an schlechten Tagen.

Summ, summ, summ,

summ, summ, summ, summ, summ, summ, summ. Summ!

Musik: Thomas Fats Waller 1928 (Honeysuckle Rose)

Text: Hartmut Blanke 2025

Schwarz-weiße Aufnahme eines Klaviers mit Hocker vor einem Fenster mit Jalousien in einem Raum.

Mein favourite Thing

Möchte mein Leben geordnet verlassen,

alles sortier‘n und auch nichts hinterlassen,

was meinen Liebsten nur Sorge und Qual.

Alles wird leichter und einfach normal.

Habe verfügt, was im Falle des Falles,

habe verschenkt und entsorgt längst schon alles,

was ich den Weg doch nicht mitnehmen kann.

Alles wird leichter, es bleibt nur das „wann“.

Habe die Zeit, euch lebe wohl noch zu sagen,

habe noch Antwort auf eure Fragen,

fühle noch sanft eure Hand auf dem Arm.

Alles wird leichter und innerlich warm.

Kann ich es ahnen, kann ich es spüren,

gibt es ein Zeichen, dem ich vertrau?

Find ich den Zeitpunkt, in Würde zu geh‘n?

Das wäre wirklich ein favourite thing.

Habe nur Schmerzen, die ich kaum bemerke,

habe noch Kraft und die innere Stärke,

Dinge zu klären, die ich hab‘ verpasst.

Alles wird leichter, es geht der Ballast.

Habe an alles, was Wert ist, gedacht,

habe noch lauthals und kraftvoll gelacht,

trage die Bilder gemeinsamer Zeit.

Alles wird leichter, ich mach‘ mich bereit.

Find‘ meinen Baum – auf grüner Wiese

mit weiter Krone, wie Arme ein Riese,

ich lass´ mich nieder und schau auf das Meer.

Alles wird leichter und innerlich leer.

Kann ich es ahnen, kann ich es spüren,

gibt es ein Zeichen, dem ich vertrau?

Find ich den Zeitpunkt, in Würde zu geh‘n?

Das wäre wirklich ein favourite thing.

Hab ich geübt, neue Wege zu schreiten,

die ich nicht kenne und die sich zuzeiten

absichtslos auftun und wunderbar führ’n?

Kann ich das Leichte im Leben auch spür’n?

Hab ich geübt, meinem Fluss zu vertrauen

und loszulassen, genau hinzuschauen,

immer im Wissen um die Endlichkeit,

immer zum Leben, zum Sterben bereit?

Will doch ganz wach bis zum Ende noch gehen,

will auch den Ängsten ins Auge sehen,

hab ich den Mut auch für diesen Moment,

bin ich bereit auch für ein happy end?

Kann ich es üben, kann ich es lernen,

gibt es ein Zeichen, dem ich vertrau?

Find ich die Wege, im Jetzt mehr zu sein?

Das wäre wirklich ein favourite thing,

ein favourite Thing, mein favourite Thing.

Musik: Richard Rodgers 1959 (My favourite things)

Text: Hartmut Blanke 2016

Verkehr auf einer vielbefahrenen Straße bei Nacht mit vielen Autos und Straßenlaternen, einige Fahrspuren sind stockend, andere frei.

Stau

Fortschritt, Fortschritt, Zauberwort im Westen, hat sich selbst blockiert.

Soviel Intelligenz vertan für Stillstand auf der Autobahn, das ist raffiniert.

Individualverkehrt, gedankenlos und unbeschwert, dafür wurde viel studiert.

Schlau, schlau, schlau…

Alles steht und gar nichts geht im Stau.

Nichts bewegt sich, alles erregt sich im Stau.

Millionen arbeiten dran, dass keiner mehr vorwärts kann. Soviel Kreativität

schafft tausende von Arbeitsplätzen, für die sich tausend Leute hetzen, das nennt sich Mobilität.

Eingepfercht in Blech und Stahl erscheint das Leben ganz normal, ganz normale Realität.

Schlau, schlau, schlau…

Alles steht und gar nichts geht im Stau.

Nichts bewegt sich, alles erregt sich im Stau.

Auf der Bremse steht mit Saft die potenzielle Leistungskraft von tausend Pferdestärken.

Soviel Geld und Energie für die Stillstandsindustrie, das muss man sich merken.

Und es ist am allerbesten: im Stau auch noch die Luft verpesten, das zählt zu den Meisterwerken.

Schlau, schlau, schlau…

Alles steht und gar nichts geht im Stau.

Nichts bewegt sich, alles erregt sich im Stau.

Also, wir brauchen Lösungen, wir sind doch (schlau, schlau, schlau).

Eine zweite Ebene über den Straßen (schlau, schlau, schlau).

Autos halb so breit, zwei auf eine Spur (schlau, schlau, schlau).

Konsequent die LKW‘s auf die Schiene (schlau, schlau, schlau).

Autonomes Fahren: mehr Autos, weniger Abstand (schlau, schlau, schlau).

Oder ihr habt noch andere Ideen? Ihr seid doch auch (schlau, schlau, schlau).

100 prozent homeoffice für alle, oh wow (schlau, schlau, schlau).

Oder hat der Pianist noch eine Idee? Er ist doch auch (schlau, schlau, schlau).

Alles steht und gar nichts geht im Stau.

Nichts bewegt sich, nichts bewegt sich, nichts bewegt sich im Stau.

Text und Musik: Hartmut Blanke 2009